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Meine Straße, mein Zuhause, mein Blog.

Studierendenwerk

Veröffentlicht am 12.12.2017

Vor kurzem führte ich eine Diskussion mit einem jungen Mann, der der Meinung war, man solle anstelle des Begriffs „Studierendenwerk“ lieber „Studentenwerk“ sagen. Ich war interessiert, warum er diesen Standpunkt vertrat und hätte mich gerne von guten Argumenten überzeugen lassen, doch er hatte keine. Er leierte die üblichen Phrasen herunter, kein Mensch fühle sich wirklich gestört (abgesehen von einer Vielzahl Betroffener), es sei verwirrend (wenn man sich mit dem Denken im Allgemeinen schwer tut, mag das stimmen) und außerdem solle man sich lieber mal mit den wirklich wichtigen Dingen beschäftigen, bevor man stundenlang über solche Banalitäten diskutiert.

Der letzte Punkt ist einer, den ich schon oft gehört habe. Denn er ist einer, der ein Problem untergräbt und einen Status quo erhalten will, der keiner sein darf. In anderen Worten sagt dieses Argument aus: „Ich entscheide, was wichtig ist und das ist es nicht. Wir werden uns also zu erst um wichtige Dinge kümmern und bis dahin bleibt alles, wie es ist.“
Leider sind die Männer (und zumeist sind es Männer), die derartiges von sich geben nur in den seltensten Fällen auch diejenigen, die sich im Anschluss umdrehen und die Probleme, die sie für wichtiger erachten in Angriff nehmen. Vielmehr sind es solche, die sich prinzipiell nur für sehr wenig begeistern können und Änderungen einfach lieber dort sehen wollen, wo sie sie dann eben doch nicht sehen können.

Auch die Behauptung, die Diskussion würde stundenlang geführt und raube deshalb viel Zeit für wichtigere Diskussionen, ist absolut hirnrissig. Das liegt daran, dass die Diskussion eben meist am erbittertsten von denen geführt wird, die komplett gegen jede geschlechtsneutrale Formulierung sind. Von Leuten also, die sich ganz offensichtlich nicht ausgegrenzt fühlen, wenn vom „Studentenwerk“ die Rede ist. Diese Leute nehmen sich aber dennoch heraus, anderen vorzuschreiben, wie sie empfinden sollten.

Der Punkt ist, dass geschlechtsneutrale Formulierungen niemandem weh tun. Ich selbst gebe mir aus diesem Grund große Mühe, möglichst geschlechtsneutral zu formulieren. Mir ist deshalb noch kein Bein abgefallen und auch sonst hatte ich keine einschneidenden schrecklichen Erlebnisse. Was mich nervt, sind Menschen, die kein Verständnis dafür haben, wenn andere sich ausgegrenzt fühlen. Menschen, die sich tierisch über „Genderdebatten“ oder „Genderwahn“ aufregen, aber nebenbei die Einzigen sind, die solche Debatten wirklich führen. Wer es verstanden hat, führt nämlich keine Debatten mehr.

Man müsste nur nett zu einander sein.

 

Von Ariel Liebknecht-Buchstab

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Vom Recht der Väter, Kinder auszutragen

Veröffentlicht am 25.11.2017
Foto by freestockgallery.deFoto by freestockgallery.deIn dieser Woche wurde eine Ärztin verurteilt. Sie hatte auf ihrer Homepage angegeben, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Verurteilt wurde sie, weil das Gericht dies als "Werbung für Abtreibung" wertete, was in Deutschland verboten ist. Die Diskussion zu diesem Thema wurde, wie wohl zu erwarten war, auf einer sehr emotionalen Ebene geführt.
 
Nun ist es zwar so, dass das Urteil an sich auch diskutiert wurde, es dabei aber hauptsächlich wieder mal in eine Grundsatzdebatte zu Schwangerschaftsabbrüchen ausartete. Mir fiel dabei - wieder einmal - auf, dass die erbittertsten Gegner von Abtreibungen an sich (nur damit hier keine Missverständnisse auftreten: kein einziger, gesunder Mensch kann ausdrücklich für Schwangerschaftsabbrüche sein, nur manchmal gibt es eben keinen anderen Ausweg für Menschen), Menschen sind, die mit Fug und Recht von sich behaupten können, dass sie selbst niemals abtreiben werden: Männer.
 
Nun ist es für uns Männer natürlich sehr schwer nachzuvollziehen, was in Frauen vorgeht, die eine derartige Entscheidung treffen und mit den Konsequenzen leben müssen, allein deshalb stünde uns schon kein Urteil über die Sache an sich zu - dabei wird nun aber auch der Aspekt der Selbstbestimmung, der noch wesentlich schwerer wiegt, vollkommen außer Acht gelassen. 
Allerdings scheint es sich eine Vielzahl der Abtreibungsgegner zur Gewohnheit gemacht zu haben, eben auf die Selbstbestimmung zu bestehen, nur um damit die Selbstbestimmung anderer im selben Atemzug zu untergraben. Die Rede ist hier von dem Argument, auch die Väter schwangerer Frauen sollten das Recht haben, bei einem Schwangerschaftsabbruch mitzureden, viele wollen den Vätern gar eine Art Vetorecht bei dieser Entscheidung einräumen.
 
Dieses "Rechte von Vätern"-Argument ist leider ein problematisches:
 
Denn entweder wurde beim Geschlechtsverkehr auf Verhütung verzichtet. Dann hätten beide Beteiligten zuvor über das Thema schwanger werden reden sollen. Oder es wurde verhütet und etwas ist schief gelaufen. 
 
Keine Verhütung: Normalerweise ist hier die Geschichte auch schon zu Ende, da beide wussten, was auf sie zukommen wird und diesen Schritt ganz bewusst gegangen sind.
 
Verhütung: Beide waren sich einig, kein Kind zu wollen. Nun ist aber etwas schief gelaufen, die Frau ist schwanger. Hier ist es nun ziemlich anmaßend, mit den "Rechten eines Vaters" anzufangen, der ja gar kein Kind wollte. Andersherum verhält es sich genauso. Wer würde einen werdenden Vater ernst nehmen, der die werdende Mutter seines Kindes zu einer Abtreibung zwingen will, weil er sich einbildet, irgendein Recht darauf zu haben? 
Richtig: niemand.
 
Es ist und bleibt nun einmal die Entscheidung der Frau, ob sie das Kind austragen will oder nicht. Wenn sie es will, so hat der Vater das zu akzeptieren. Will sie es nicht, dann hat der Vater das ebenfalls zu akzeptieren. Ende der Durchsage.
 
Zu dem Urteil im Fall der Ärztin bleibt nur zu hoffen, dass es kassiert wird. Ihre Anwältin hat bereits angekündigt, Berufung einzulegen. Wenn ein Mensch in so einer Situation irgendetwas nicht braucht, dann ist es mit Sicherheit eine Schnitzeljagd auf der Suche nach medizinischer Unterstützung.
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Wie man seine eigene Rakete finanziert bekommt

Veröffentlicht am 24.11.2017
Mal angenommen, ich bin ein Riesenraketentifoso (#neologismus #lieblingswort) und ich träume schon immer davon, mir meine eigene Rakete zu bauen und zu fliegen.
Mal weiter angenommen, ich bin leider ein einfacher Arbeiter und kann mir nicht leisten, diesen Traum wahr werden zu lassen. 
 
Dann nehmen wir doch einfach mal an, es gibt auf der Welt nicht wenige Wahnsinnige, die strikt die Ansicht  vertreten, die Erde sei eine Scheibe. Natürlich behaupten sie nicht einfach nur, sie sei eine Scheibe, sondern sie glauben auch noch, handfeste Beweise dafür zu haben und sie belegen diese nicht unsteile These mit Argumenten, die wiederum auf, sagen wir, eher wackeligen Beinen stehen. Seien wir mal ganz kreativ und stellen uns vor, Anhänger dieser Theorie wären auch noch prominente und besserverdienende Vertreter der Popkultur
 
Ich gestehe, als Riesenraketentifoso wäre für mich der Schritt fast naheliegend, diese Menschen darum zu bitten, mir Geld zu geben, um mein Raketchen zu bauen. Man müsste den Herrschaften nur erzählen, man wolle mit der Rakete die flache Erde beweisen. 
 
Natürlich ist nicht bekannt, ob Mike Hughes ein derartiger Chef ist, oder ob er tatsächlich denkt, den Rand der Welt aus 600 Metern Höhe sehen zu können, doch ich klammere mich wirklich an diese Hoffnung: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mad-mike-hughes-will-sich-mit-rakete-in-die-luft-schiessen-a-1179872.html
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Lieblingsstilmittel: Der Erikativ

Veröffentlicht am 23.11.2017

Der Erikativ ist eine Erfindung von Dr. Erika Fuchs, der ersten Chefredakteurin des Egmont Ehapa Verlags. Es handelt sich dabei um Verben, bei denen die Endung "-n" oder "-en" weggelassen wurde. Der Erikativ (von Schlaumeiern auch gerne Inflektiv genannt) findet sich meist in Comics, speziell bei Disney-Comics und beschreibt meistens ein Geräusch, eine Geste oder ein Gefühl.

Knowledge wurde hiermit gedropt, bitte weitermachen.

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